Walhausen im Saarland

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kupferbergwerk [2019/02/27 21:29]
wolfgang_kilian
kupferbergwerk [2019/04/01 12:58] (aktuell)
wolfgang_kilian
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-Mit dem Ausklang des 18. Jahrhunderts,​ nicht zuletzt auch durch die Auswirkungen der Französischen Revolution und die hohen Kosten für die [[https://docs.google.com/​file/​d/​0B59YXyrGixdqVWV4c2IxRGZ1N0k/edit?​usp=drive_web|Wasserhaltung]],​ ging der Erzbergbau bei Walhausen und seinen Nachbardörfern Mosberg- Richweiler, Wolfersweiler und Gimbweiler seinem Ende zu. Über 300 Jahre Bergbaugeschichte fand ihren Ausklang. Auch für die Nohfeldener Erzschmelze war das Ende gekommen. Alle Anstrengungen danach, wieder Erzbergbau in dieser Region zu betreiben, sind gescheitert. Lediglich die Überreste der großzügigen Bergwerksanlage sind heute noch stumme Zeugen einer früher blühenden Montanindustrie in der Gemeinde Nohfelden (Saarland).+Mit dem Ausklang des 18. Jahrhunderts,​ nicht zuletzt auch durch die Auswirkungen der Französischen Revolution und die hohen Kosten für die [[https://drive.google.com/​file/​d/​0B59YXyrGixdqR0JIanpwd3Q3TVE/view|Wasserhaltung]],​ ging der Erzbergbau bei Walhausen und seinen Nachbardörfern Mosberg- Richweiler, Wolfersweiler und Gimbweiler seinem Ende zu. Über 300 Jahre Bergbaugeschichte fand ihren Ausklang. Auch für die Nohfeldener Erzschmelze war das Ende gekommen. Alle Anstrengungen danach, wieder Erzbergbau in dieser Region zu betreiben, sind gescheitert. Lediglich die Überreste der großzügigen Bergwerksanlage sind heute noch stumme Zeugen einer früher blühenden Montanindustrie in der Gemeinde Nohfelden (Saarland).
 Das Bergwerk stand während seiner Blütezeit (ca. 1454- 1792) unter "​Hochfürstlich- Pfalz- Zweibrückischer Herrschaft"​. Das Hauptabbaugebiet lag nahe bei dem Ort Walhausen (Saar). Zu dem Bergwerk gehörte eine Kupfer- Blei- und Silberschmelzhütte mit dem zentralen Standort Nohfelden, die erstmals 1475 erwähnt wurde. Das Bergwerk stand während seiner Blütezeit (ca. 1454- 1792) unter "​Hochfürstlich- Pfalz- Zweibrückischer Herrschaft"​. Das Hauptabbaugebiet lag nahe bei dem Ort Walhausen (Saar). Zu dem Bergwerk gehörte eine Kupfer- Blei- und Silberschmelzhütte mit dem zentralen Standort Nohfelden, die erstmals 1475 erwähnt wurde.
 Über 200 Namen von Berg- und Hüttenleuten sowie Arbeitern die im Umfeld des Bergbaues tätig waren, sind uns durch Einträge in Kirchen- und Familienbüchern Über 200 Namen von Berg- und Hüttenleuten sowie Arbeitern die im Umfeld des Bergbaues tätig waren, sind uns durch Einträge in Kirchen- und Familienbüchern
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 Mit der Französischen Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts und deren Auswirkungen auf das Land an der Oberen Nahe, kam auch das Ende des Kupfer- und Bleierzbergbaus bei Walhausen.. Ein Dokument aus dem Jahr 18O7 beinhaltet die vermutlich letzte Nachricht aus der aktiven Bergbauzeit bei Walhausen. Es ist dies ein Brief des Chefingenieurs und Direktors der Saargruben, Monsieur Duhamel, an den Präfekten des Saardepartements,​ Monsieur Keppler, mit dem Hinweis auf eine Bittschrift des „maitre mineur“ (Bergwerksmeister) Fintzel der Kupferbergwerke zu Nohfelden, in welcher dieser verschiedene Summen reklamiert, die ihm angeblich als ehemaligem Pächter dieser Gruben zuständen. ​ Mit der Französischen Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts und deren Auswirkungen auf das Land an der Oberen Nahe, kam auch das Ende des Kupfer- und Bleierzbergbaus bei Walhausen.. Ein Dokument aus dem Jahr 18O7 beinhaltet die vermutlich letzte Nachricht aus der aktiven Bergbauzeit bei Walhausen. Es ist dies ein Brief des Chefingenieurs und Direktors der Saargruben, Monsieur Duhamel, an den Präfekten des Saardepartements,​ Monsieur Keppler, mit dem Hinweis auf eine Bittschrift des „maitre mineur“ (Bergwerksmeister) Fintzel der Kupferbergwerke zu Nohfelden, in welcher dieser verschiedene Summen reklamiert, die ihm angeblich als ehemaligem Pächter dieser Gruben zuständen. ​
 Im 19. Und auch im 2O. Jahrhundert wurde zwar mehrfach versucht, den Bergbau bei Walhausen wieder aufzunehmen,​ doch über Konzessionsvergaben , seitens der zuständigen Bergbehörden,​ gingen die Aktivitäten nicht hinaus. Um die Konzession zu erhalten wurden mehrmals Schürfarbeiten in diesem Revier durchgeführt und es wurde Erz  geprobt. Es wurden Analysen gefertigt und große Pläne wurden geschmiedet. Zu einer Wiederaufnahme kam es jedoch nicht mehr. Auch die Autarkiebestrebungen des III. Reiches vor dem II. Weltkrieg führten trotz erneuter Lagerstättenerkundung nicht mehr zu nennenswerten bergbaulichen Aktivitäten. ​ Im 19. Und auch im 2O. Jahrhundert wurde zwar mehrfach versucht, den Bergbau bei Walhausen wieder aufzunehmen,​ doch über Konzessionsvergaben , seitens der zuständigen Bergbehörden,​ gingen die Aktivitäten nicht hinaus. Um die Konzession zu erhalten wurden mehrmals Schürfarbeiten in diesem Revier durchgeführt und es wurde Erz  geprobt. Es wurden Analysen gefertigt und große Pläne wurden geschmiedet. Zu einer Wiederaufnahme kam es jedoch nicht mehr. Auch die Autarkiebestrebungen des III. Reiches vor dem II. Weltkrieg führten trotz erneuter Lagerstättenerkundung nicht mehr zu nennenswerten bergbaulichen Aktivitäten. ​
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 +[[https://​www.mineralienatlas.de/​doks/​DrGerhardMueller/​Inventar/​Nohfelden/​6408-027-4.pdf|Konzessionsvergaben zwischen 1856 und 1931(Dr. G. Müller]]
  
 ======Zur Geologie und Mineralogie der Bergbaugegend bei Walhausen ====== ​ ======Zur Geologie und Mineralogie der Bergbaugegend bei Walhausen ====== ​
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 Beim Erkalten der Lava bildeten sich Störungen, Klüfte und Spalten, mit mehr oder weniger großen Blasen (Hohlräumen),​ hervorgerufen durch Dämpfe und Gase, die sich nach der Abkühlung verflüchtigte Beim Erkalten der Lava bildeten sich Störungen, Klüfte und Spalten, mit mehr oder weniger großen Blasen (Hohlräumen),​ hervorgerufen durch Dämpfe und Gase, die sich nach der Abkühlung verflüchtigte
 Neuere Erkenntnisse über die Mineralogie der Lagerstätte ergeben, dass erst 6O bis 7O Millionen Jahre nach den vulkanischen Aktivitäten eine Vererzung in diesem Bereich stattgefunden hat. Die vulkanischen Gesteine ermöglichten durch ihre Zerklüftung und ihre Porosität das Aufsteigen heißer, wässriger Erzlösungen,​ die zu dem, zumindest im Bereich des heutigen Saarlandes bedeutendsten Kupfer- und Bleierzvorkommen führten. ​   Neuere Erkenntnisse über die Mineralogie der Lagerstätte ergeben, dass erst 6O bis 7O Millionen Jahre nach den vulkanischen Aktivitäten eine Vererzung in diesem Bereich stattgefunden hat. Die vulkanischen Gesteine ermöglichten durch ihre Zerklüftung und ihre Porosität das Aufsteigen heißer, wässriger Erzlösungen,​ die zu dem, zumindest im Bereich des heutigen Saarlandes bedeutendsten Kupfer- und Bleierzvorkommen führten. ​  
-Das vererzte Gebirge besteht hier aus Melaphyr (Mandelstein). In den Mandeln und Gängen, in denen sich größtenteils Kalkspat (Calzit) absetzte, konnte in freigebliebenen Hohlräumen eine Vererzung stattfinden. Es kommen verschiedene Kupfer- und Bleierze vor, wie Kupferglanz,​ Kieselkupfer,​ Azurit, Malachit, Buntkupferkies und Bleiglanz. Abbauwürdig waren jedoch nur Kupferglanz (Chalkosin),​ Buntkupferkies (Bornit) und Bleiglanz (Galenit).Die Gänge sind im allgemeinen nicht sehr mächtig, jedoch dort wo sie von zahlreichen Nebenklüften begleitet werden, haben vermutlich reiche Erze angestanden. Der Abbau hat zu beachtlichen Weitungen geführt, die allerdings z.Zt. nicht zugänglich sind (Verbruch, Verfüllung,​ Flutung). ​+Das vererzte Gebirge besteht hier aus Melaphyr (Mandelstein). In den Mandeln und Gängen, in denen sich größtenteils Kalkspat (Calzit) absetzte, konnte in freigebliebenen Hohlräumen eine Vererzung stattfinden. Es kommen verschiedene Kupfer- und Bleierze vor, wie Kupferglanz,​ Kieselkupfer,​ Azurit,[[https://​www.mineralienatlas.de/​VIEWmaxFULL.php/​param/​1457187371-Malachit.jpg|Malachit (Link zu Walhauser Malachit)]] ​, Buntkupferkies und Bleiglanz. Abbauwürdig waren jedoch nur Kupferglanz (Chalkosin),​ Buntkupferkies (Bornit) und Bleiglanz (Galenit).Die Gänge sind im allgemeinen nicht sehr mächtig, jedoch dort wo sie von zahlreichen Nebenklüften begleitet werden, haben vermutlich reiche Erze angestanden. Der Abbau hat zu beachtlichen Weitungen geführt, die allerdings z.Zt. nicht zugänglich sind (Verbruch, Verfüllung,​ Flutung). ​
 Nachrichten zu speziellen Einzelheiten dieses Bergbaus:  ​ Nachrichten zu speziellen Einzelheiten dieses Bergbaus:  ​
 Aus den spärlichen Nachrichten über diesen Bergbau, die aus verschiedenen Landes- und Staatsarchiven,​ den Archiven der Bergbehörden aus Kirchenbüchern u.s.w. stammen, lässt sich entnehmen, dass eines der größten Probleme des Walhauser Reviers stets [[https://​docs.google.com/​file/​d/​0B59YXyrGixdqVWV4c2IxRGZ1N0k/​edit?​usp=drive_web|das Lösen der Grubenwasser ]]aus dem Berg war, weil es talwärts keinen Stollen gab, der tief genug angelegt gewesen wäre, um eine natürliche Entwässerung zu ermöglichen. Deshalb wurde das Gebiet auch mehrfach von „Bergbau-Spezialisten“ auf Verbesserungs - möglichkeiten hin in Augenschein genommen. Es wurden jeweils auch aufschlussreiche Berichte erstellt, die es heute ermöglichen,​ uns ein Bild über die damalige Situation zu machen. Unter anderem nahm 1731 der Sponheimische Bergvogt Johann Peter Kroeber eine Revision vor. Die Pfalz-Zweibrückische Regierung hatte ihn darum gebeten. Um 176O plante der Veldenzische Bergverwalter Johann Burckard Jacobi eine Verbesserung der Wasserhaltung am Walhauser Bergwerk, auf die noch im Detail eingegangen wird. Geologische und mineralogische Informationen hat der Montanwissenschaftler [[https://​books.google.de/​books?​id=HSw-AAAAcAAJ&​pg=PA12&​lpg=PA12&​dq=Ferber+Nohfelden+Bergwerk&​source=bl&​ots=z16zgHxG1T&​sig=HOQpq61IVmfNpTrEbrlHRyTkFKw&​hl=de&​sa=X&​ei=2LLYVNvgO4GwUMzXgtgN&​ved=0CDwQ6AEwBQ#​v=onepage&​q=Ferber%20Nohfelden%20Bergwerk&​f=false|Johann Jacob Ferber (1743 - 179O)]] in seinen Ausführungen zum Walhauser Revier und zur Nohfelder Schmelze in seinen „Bergmännischen Nachrichten von den merkwürdigsten Gegenden der Herzoglich-Zweibrückischen,​ Chur-pfälzischen,​ Wild- und rheingräflichen und Nassauischen Ländern“ von 1776 an die Nachwelt weitergegeben . Aus den spärlichen Nachrichten über diesen Bergbau, die aus verschiedenen Landes- und Staatsarchiven,​ den Archiven der Bergbehörden aus Kirchenbüchern u.s.w. stammen, lässt sich entnehmen, dass eines der größten Probleme des Walhauser Reviers stets [[https://​docs.google.com/​file/​d/​0B59YXyrGixdqVWV4c2IxRGZ1N0k/​edit?​usp=drive_web|das Lösen der Grubenwasser ]]aus dem Berg war, weil es talwärts keinen Stollen gab, der tief genug angelegt gewesen wäre, um eine natürliche Entwässerung zu ermöglichen. Deshalb wurde das Gebiet auch mehrfach von „Bergbau-Spezialisten“ auf Verbesserungs - möglichkeiten hin in Augenschein genommen. Es wurden jeweils auch aufschlussreiche Berichte erstellt, die es heute ermöglichen,​ uns ein Bild über die damalige Situation zu machen. Unter anderem nahm 1731 der Sponheimische Bergvogt Johann Peter Kroeber eine Revision vor. Die Pfalz-Zweibrückische Regierung hatte ihn darum gebeten. Um 176O plante der Veldenzische Bergverwalter Johann Burckard Jacobi eine Verbesserung der Wasserhaltung am Walhauser Bergwerk, auf die noch im Detail eingegangen wird. Geologische und mineralogische Informationen hat der Montanwissenschaftler [[https://​books.google.de/​books?​id=HSw-AAAAcAAJ&​pg=PA12&​lpg=PA12&​dq=Ferber+Nohfelden+Bergwerk&​source=bl&​ots=z16zgHxG1T&​sig=HOQpq61IVmfNpTrEbrlHRyTkFKw&​hl=de&​sa=X&​ei=2LLYVNvgO4GwUMzXgtgN&​ved=0CDwQ6AEwBQ#​v=onepage&​q=Ferber%20Nohfelden%20Bergwerk&​f=false|Johann Jacob Ferber (1743 - 179O)]] in seinen Ausführungen zum Walhauser Revier und zur Nohfelder Schmelze in seinen „Bergmännischen Nachrichten von den merkwürdigsten Gegenden der Herzoglich-Zweibrückischen,​ Chur-pfälzischen,​ Wild- und rheingräflichen und Nassauischen Ländern“ von 1776 an die Nachwelt weitergegeben .